Dropezone DeLand in Florida

Kontaktaufnahme zu den Freifall-Sequenzer

Die alte Konstellation unseres Vierer-Formationsteam gibt es nicht mehr.

Nach etlichen Erfolgen, die uns allen und dem Team in guter Erinnerung bleiben werden, hat sich die bekannte Konstellation nun aufgelöst.

Dr. Uli Sehrbrock in guter Laune mit seinem neuen Kader
Dr. Uli Sehrbrock in guter Laune mit seinem neuen Kader

Für weitere zwei Jahre möchte unser Teamchef Dr. Uli Sehrbrock sehr gern einen Neuanfang starten. Uli hatte sich nach der Deutschen Meisterschaft 2017 vorgestellt, dafür jüngere, oder im Verhältnis gesehen unerfahrene Wettbewerbsspringer heran zu ziehen und seine Erfahrung weiter zu geben. Dafür telefonierte er herum und formulierte für die nächsten zwei Jahre eine Vorstellung, wohin es gehen sollte. Dieser Trainingsaufwand, der für einen Profi wie Uli selbstverständlich ist, passt leider oft nicht in die Haushaltslage jüngerer Springer. So ergab es sich, dass wenigstens noch ein Wunschkandidat der jüngeren Generation auf Ulis Zettel, zugesagt hat.

Exit über DeLand
Exit über DeLand

Uli war darauf aber vorbereitet und hatte noch andere auf der Liste seiner Auslese. Es waren zwar keine Frischlinge mehr, aber Erfahrung an Board kann uns umso schneller voranbringen. Zugesagt für ein erstes Treffen haben auch Carsten Reese und Chris Wirth. In dieser Konstellation hat das Team eine durchschnittliche Sprunganzahl von 4000 Sprüngen. Oliver Meiswinkel mit erst 1400 Sprüngen hat den Schnitt um einiges gesenkt. Bei dieser Statistik handelt es sich aber nur um die Quantität. Die Qualität der Sprünge und zukünftigen Leistung des Teams macht sich an ganz anderen Dingen fest. Die Bereitschaft ein bestimmtes Trainingspensum ab zu solvieren und dass bei dieser intensiven Arbeit auch eine gute Stimmung im Team zustande kommt.

Oliver Meiswinkel bei der Landung
Oliver Meiswinkel bei der Landung

Zwei Trainingskomponenten haben die Vier bereits absolviert. Anfang Februar im NRW-Tunnel von Bottrop und im März in Florida mit ihren Fallschirmen auf der Trainings-Dropzone von DeLand.

Unser Sportwart, der persönlich in einer anderen Disziplin aktiv ist, konnte das Pensum des neuen Teams in DeLand live beobachten. Ihr Trainer (Solly Williams) schickte sie ununterbrochen in die Luft. Zeit zum Packen war unnötig. Jeder unserer Springer hatte zwei Rigs dabei, wie es bei guten Teams üblich ist, die abwechselnd von den Packern vor Ort wieder sprungbereit gemacht werden. Unser Sportwart kannte noch den Begriff Doppelschläge, die damit möglich waren. Das bedeutet, dass man sich zweimal hintereinander für dieselbe Absetzmaschine eintragen lassen kann. Das zweite Sprung-Rig wurde von ihrem Trainer Solly direkt nach der Landung bereitgestellt und damit ging es in dieselbe Maschine, die mit ihnen gemeinsam gelandet war. Die abgesprungenen Rigs wurden von den fleißigen Packern in DeLand sofort wieder sprungfertig gemacht. Nach solch einem Doppelschlag wurde früher neu gebrieft und die Sprungsequenz verändert. Ich staunte nicht schlecht, dass aus Doppelschlägen inzwischen Trible und sogar vierfach-Schläge gemacht werden.

Uli bei der Landung in DeLand, Florida
Uli bei der Landung in DeLand, Florida

Die vorab vom Trainer gebrieften Sprünge werden auf einem Whiteboard aufgezeichnet und stehen somit fest. Jeder Springer kennt die Sequenzen und Übergänge (Randoms & Blöcke) die damit gemeint sind. Sie werden den Sportlern noch einmal vorgehalten und weiter gehts‘. Mitunter sogar als Vierfachschläge. Das Rollen am Boden fand somit nur noch nach jedem vierten Sprung statt. Unser Sportwart war beeindruckt und hatte vor Ort den größten Respekt vor dieser Leistung. 11-12 Sprünge am Tag waren so möglich!

Das Whiteboard mit der Abfolge der Trainingssprünge
Das Whiteboard mit Abfolge der Trainingssprünge
Der Sprungablauf auf den Rollbrettern unter Beobachtung des Trainers Solly Williams von den Golden Knights
Der Sprungablauf auf den Rollbrettern unter Beobachtung des Trainers Solly Williams von den Golden Knights

Es tat dem Ehrgeiz auch keinen Abbruch, als es in der Woche zwei Reserven in unserem Team gab. Einmal musste Carsten Reese seinen Hauptschirm abwerfen und ein weiteres Mal traf es den Teamchef Dr. Uli Sehrbrock. Tja, für das Packen der Hauptschirme konnten sie nichts. Dafür waren sie in DeLand nicht zuständig.

Carsten nach der Landung mit kritischem Blick und voller Konzentration auf den nächsten Sprung
Chris Wirth nach der Landung und guter Laune auf zum nächsten Sprung
Chris Wirth nach der Landung und sehr gut gelaunt nach dem ersten Training

Auch nicht für das Wetter am Montag, das für einen Ruhetag sorgte. Etwas Regen am Vormittag und starker Wind „made in Florida“ am Nachmittag. Da kam es unseren Jungs gelegen, den Tag für eine gute Gelegenheit zu nutzen. Das bekannte Harley-Davidson-Treffen in Daytona Beach fand genau in dieser Woche statt. Dort brannte der Strand nur 13 Meilen von DeLand entfernt. Das größte und bekannteste Motorradtreffen der Welt auf einer Strecke von 3 Meilen an der Atlantikküste von Florida. Das war eine schöne Abwechslung und eine kleine Pause, bevor es am Dienstag bei Sonnenschein und guten Bedingungen weiter ging. Zwischendurch vermisste Carsten Reese noch seinen Reisepass und schleppte eine handfeste Sorge mit sich herum. Das hat ihn aber nicht darin gehindert, weiter konzentriert zu sein. Bis zum Mittag hatten die Vier bereits 8 Sprünge auf ihrem Konto. Nur der mitgereiste Videomann Thomas Selgert war nicht mehr dabei. Er hatte nur für die Wochentage seine Flüge gebucht und musste vorzeitig abreisen. Ab Sonntag stand unserem Team Brian Festi aus DeLand als Viedeomann zur Verfügung.

Vierer FS Sequenzteam 2018
Dr. Uli Sehrbrock (BS), Carsten Reese (HH) Oliver Meiswinkel (Soest) & Chris Wirth (F)

Die erste Belastungsprobe brachte diese Konstellation hinter sich. Ich hatte einen sehr guten Eindruck , auch von der Stimmung in diesem Team. Nach 6 Tunnelstunden wurden in Florida 70 Sprünge am Himmel und Fallschirm geflogen. Das lässt uns optimistisch in die Zukunft schauen. Auch der Reisepass von Carsten hat sich noch rechtzeitig angefunden und sorgte für einen stressfreien Heimflug.

Text
Thomas Rohde-Seelbinder