Die Bodenhaftung verliert der Tausendsassa nur am Steuerknüppel

Walter Eichhorn, unser Ehrenmitglied wurde 80

Sein Leben als Fallschirmspringer und Motor-Kunstflug-Pilot

Walter Eichhorn mit seinem damaligen Team
Walter Eichhorn mit seinem damaligen Team „Walters Vögel“

Walter Eichhorn ist seit dem 06. Oktober 2001 Ehrenmitglied des FSC Remscheid und kann bereits 80 Jahre auf sein erfülltes Leben zurückblicken. Erfolgreich in unserem Verein als Teamchef der Freifall-Formationsspringer und später als berühmter Motor-Kunstflug-Pilot. Was unser Walter angefangen hat, endete immer erfolgreich und in vollendeter Perfektion. In unserem Verein sprang er mit seinem Team „Walters Vögel“ die 10er Stern Freifall-Formation, die sich für die Weltmeisterschaft 1975 qualifiziert hat. Die 10er Formation konnte sich international auf den 4. Platz behaupten und im Vierer sogar die Bronze-Medaille gewinnen. Nach der DM 1976 verabschiedete sich Walter aus dem Leistungssport der Fallschirmformationsspringer und begann die Fliegerei am Steuerknüppel.

Bei der Weltmeisterschaft 1975 in Warendorf gewann Walter mit der Vierer Formations-Mannschaft die Bronze-Medaille für den FSC Remscheid
Bei der Weltmeisterschaft 1975 in Warendorf gewann Walter mit der Vierer Formations-Mannschaft die Bronze-Medaille für den FSC Remscheid

Was er beginnt führt er zum Erfolg. So wie im Fallschirmsport, gelang ihm das auch als Motor-Kunstflug-Pilot. Der Mann gilt schon zu Lebzeiten als Legende. Ein Ausnahmepilot, der unbestritten zu den schillerndsten Figuren am Himmel Europas zählt. Einer, der, man kann es ohne Übertreibung so formulieren, ein Stückchen Luftfahrtgeschichte geschrieben hat.

Und das tut er ja irgendwie immer noch: Walter Eichhorn. Der drahtige Stiftekopp ist einfach unverwüstlich. Am 20. Juli, setzte der Bad Camberger eine Acht vor die Null, feierte seinen 80. Geburtstag. Die tägliche Herausforderung des extremen Fliegens hat den Luftikus jung gehalten. Reflexe und Reaktionsvermögen entsprechen denen eines 25-Jährigen. In einem Alter, in dem andere in der Sonne dösen oder mit dem Rollator durch die Fußgängerzonen heizen, turnt der in Ehren ergraute Tausendsassa immer noch unverdrossen am Himmel herum. Wobei die Betonung auf “turnen” liegt. Zum Fußgänger ist der  Mann, der wesentlich jünger aussieht, als es seine Geburtsurkunde glauben machen will, nun mal nicht geboren – und zum Geradeausfliegen erst recht  nicht. Gemeinsam mit seinem Junior bildet der gebürtige Jeveraner  ein europaweit gefeiertes Acro-Team. Der Formationskunstflug der beiden, ausgeführt mit zwei EXTRA’s 330 LT, gehört in dieser Präzision zu den Top-Acts einer jeden Airshow.

Die Anforderungen des extremen Fliegens haben den Jubilar jung gehalten
Walter Eichhorn feierte seinen 80. Geburtstag. Die Anforderungen des extremen Fliegens haben den Jubilar jung gehalten. Foto: Privat

Aber auch Solist ist Tonis “alter Herr”, der (fast) nie ohne den für ihn charakteristischen weißen Schal ins Flugzeug klettert, eine Klasse für sich. Mag sein, dass er im Laufe der Jahre weiser geworden ist, leiser aber jedenfalls nicht. Von seiner alten röhrenden Liebe, die niemals rostet, vermochte er sich, als 2013 der Wechsel auf ein neues Flugzeugmuster anstand, nämlich nicht zu trennen. Die “olle” North-American T6, Baujahr 1942, war und  ist einfach noch zu gut in Schuss, um ausgemustert zu werden. Das gilt auch für ihren Piloten, der schlappe sechs Jahre älter ist als sein gewichtiger  600-PS-Bolide. Und deshalb steigt der Walter nach wie vor bei jeder sich bietenden Gelegenheit ins Cockpit der geschätzten Foxtrott-Hotel-Golf-Kilo. Schließlich hat der Brummer ihn  ein gutes Stück seines Lebens treu und zuverlässig durch die Lüfte getragen. So etwas verbindet.

Gemessen an den kapitalen Oschis“, mit denen der frühere Lufthansa-Kapitän in seiner aktiven, 30 Jahre währenden Kranich-Zeit rund um den Globus jettete, ist der dunkelblau-orange-lackierte 2,4-Tonner ein Fliegengewicht. Ob DC-10, Boeing 737, Airbus 300 oder Jumbo-Jet,  Eichhorn hat sich durch den kompletten Typenbestand des großen deutschen Carriers gearbeitet. Diese Airliner waren jedoch nur eingeschränkt kunstflugtauglich…. Aber darauf lief es eigentlich für ihn von Anfang an hinaus. Erfolge, Rekorde, Filmrollen.

Walter Eichhorn in seinem Element im Cockpit eines Flugzeugs
Walter Eichhorn in seinem Element: Im Cockpit eines Flugzeugs fühlt sich der Ausnahmepilot aus Bad Camberg immer noch am wohlsten. Foto: Privat

Ehrgeiz, Können, Talent, Erfahrung, Kreativität, Experimentierfreudigkeit und Mut haben ihn zu einer Flieger-Persönlichkeit reifen lassen, an der sich Generationen von Piloten orientieren und die sie sich zum Vorbild nahmen und nehmen. Eichhorn, der stets hundert Prozent und mehr gibt,  ist eine absolute Ausnahmeerscheinung unter Seinesgleichen. Respekt und Hochachtung sind dem Neu-Jubilar auf jedem Airfield garantiert. Und er hat sich das verdient, ohne es eigentlich jemals darauf angelegt zu haben. Er ist trotz aller Erfolge und Rekordleistungen bescheiden geblieben. Die Bodenhaftung verliert der Camberger nur, wenn er im Flugzeug sitzt und den Steuerknüppel in die Hand nimmt.

Die Bodenhaftung verliert der Tausendsassa nur am Steuerknüppel
Auf dem Weg steil nach oben! Und so soll es noch viele Jahre bleiben. Die Bodenhaftung verliert der Tausendsassa nur am Steuerknüppel seines Flugzeugs.

Würde er sich entschließen, ein Buch über sein abenteuerliches Leben zu schreiben, dabei heraus käme ein ebenso spannender wie  dicker Wälzer. Längst hat Walter E. aufgehört,  seine Flugstunden zu zählen. Er beließ es beim Stand von 30.000. Und das ist jetzt auch schon viele Jahre her. So richtig begonnen hatte für ihn alles in den frühen “Sixties” – und zwar in Kanada. Dorthin war  der schlaksige Jüngling  ausgewandert, weil es zu diesem Zeitpunkt für Deutsche daheim nicht möglich war, die Fluglizenz zu erwerben. Das Geld für selbige verdiente sich der gelernte Schlosser im Ahorn-Staat als Lkw-Fahrer und Nebenerwerbs-Schrauber.  Die Kohle reichte für ein paar Flug- und Lehrstunden mit einer „Fleet Canuck“, einem zweisitzigen Leichtgewicht aus kanadischer Produktion. Den „Schein“ hatte der ambitionierte Aero-Lehrling dann in  Rekordzeit in der Tasche. Und es dauerte nicht lange, da fiel er bereits ein paar Sprossen auf der aerodynamischen Leiter nach oben und  machte sein Hobby zum Beruf. Auch als Absetzpilot der kanadischen Fallschirmnationalmannschaft war Eichhorn bald schon unentbehrlich.

Alte Liebe rostet nie: Walter Eichhorn und seine T6
Alte Liebe rostet nie: Walter Eichhorn und seine T6 zählen seit Jahren zu den markantesten Erscheinungen am europäischen Himmel. Und wenn’s noch so heiß hergeht: Den weißen Schal hat er im Cockpit (fast) immer dabei. Foto: Wilfried Birkhof

Sein erstes eigenes Flugzeug war bezeichnenderweise eine T6. Der Kaufpreis entsprach dem Betrag, für den man damals in Deutschland zwei VW-Käfer bekam. Das Flugzeug war mit einem Fallschirm ausgerüstet. Walter Eichhorn wollte im Selbstversuch ausprobieren, wie dieses Rettungsgerät  funktionierte. Auf den Geschmack gekommen, versuchte sich der junge Mann  dann in Folge selbst als Skydiver und gründete,  zurückgekehrt nach Deutschland, die nach ihm benannte Erfolgsequipe “Walters Vögel”.  Dieses verwegene Team  flog  1972 die erste aus zehn Springern bestehende Sternformation, was zu damaligen Zeiten als Sensation galt und gleichzeitig den Europarekord bedeutete. In Folge (1973,1974 und 1975) holten die “schrägen” Vögel dreimal WM-Bronze.  Doch auf Dauer erschien es dem damaligen LH-Kapitän sinnvoller, an Bord eines Flugzeugs zu verbleiben, statt aus selbigen herauszuspringen.

Als Sohn eines Luftwaffenoffiziers hatte Klein-Walter seine ersten neun Lebensjahre auf dem  Fliegerhorst in Jever verbracht. Das muss eine prägende Zeit gewesen sein, in der die Keimzelle für die spätere Fliegerleidenschaft gelegt wurde. Jagdflugzeuge vom Typ Bf 109 waren für den Knaben  damals ein alltäglicher Anblick. Viele Jahrzehnte später sollte er weltweit derjenige sein, der als Test- und Erprobungspilot über die meisten Nachkriegs-Erfahrungen und Flugstunden auf und mit diesem Muster verfügte und anderen das kleine Einmaleins beibrachte, um die wenigen noch verbliebenen (restaurierten) Exemplare dieser anspruchsvollen Maschine beherrschen zu können.
Die Vertrautheit mit dem Messerschmitt-Jäger brachte dem Mann zahlreiche Filmrollen ein. So wirkte er 1988 in dem aufwändig inszenierten Kriegsfilm “Memphis Belle” mit und flog die „Me“  u.a. auch in der britischen Fernsehserie “Peace of Cake”. Da war er allerdings der Böse. Schließlich, anno 2007, eskortierte  Eichhorn mit einer 109 das Flugzeug des Führers, und zwar in dem Blockbuster “Valkyrie”, in dem Tom Cruise den Hitler-Attentäter Graf von Stauffenberg spielte. Mit dem US-Star verstand sich der Haudegen aus dem Hessischen auf Anhieb. “Top-Gun” Pete „Maverick“ Mitchell ist ja im realen Leben selbst ein ambitionierter  Pilot. Dass der Jahrestag des Attentats in die Zeit der Dreharbeiten fiel, war Zufall. Und weil der Fliegerkollege an genau diesem Tag auch sein Wiegenfest beging, spendierte Tom Cruise ihm damals eine riesige Buttercremetorte. Ob „Ethan Hunt“ auch dieses Jahr an Walter Eichhorns Geburtstag denkt? Mission possible!

Autor Jürgen > www.rotorman.de